Im letzten Sommer, es war am 26. Juli (ein Sonntagnachmittag), da machten wir mit unserem Hund einen Spaziergang im Wald. Wie das meist der Fall ist, hatte ich auch an diesem Tag meine Kamera dabei. Und natürlich streifte mein Blick während dem Spaziergang immer wieder über den Boden und die Pflanzen am Wegrand. So entdeckte ich plötzlich auf einem Dornenzweig eine „Fliege“ mit einem leuchtend gelben Bauch. Ganz vorsichtig näherte ich mich ihr und machte ein paar erste Bilder. Rasch sah ich, dass dies keine Fliege sein konnte. Die Form der Fühler und die Flügel wiesen auf eine Bienen- oder Wespenart hin. Durch das Objektiv sah ich dann auch, dass das Insekt wohl bei der Eiablage war. Mit seinem Legestachel hatte es den noch grünen Zweig angestochen. Daher flüchtete es auch nicht und liess mich gewähren. Zum Glück hatte ich meine kleinen Makroblitze mit dabei, so konnte ich trotz leichtem Wind ein paar schöne Freihandaufnahmen machen.

Blauschwarze Bürstenhornblattwespe (Arge pagana) bei der Eiablage
(Stack aus zwei Bildern)

Folge 1

Die Fundstelle liegt in einem Waldstück, in dem wir öfters mal einen Spaziergang machen. So lag es nahe, dass wir in der Folgewoche die gleiche Runde in Angriff nahmen, natürlich mit dem Ziel zu sehen, wie sich die Eier der Bürstenhornblattwespe entwickeln. Mit Erstaunen stellte ich fest, dass in diesem Dornenzweig mehrere Eiablagestellen waren. Aufgrund der unterschiedlichen Grösse der Eier gehe ich davon aus, dass nicht alle vom gleichen Tag stammten. Ich kann aber nicht sagen, ob sie alle vom selben Tier sind.

Legeschlitz am 1. August, die Eier sind kaum zu sehen

Folge 2

Das Wetter meinte es gut mit uns und so konnten wir auch eine Woche später unseren Sonntagsspaziergang in den besagten Wald in Angriff nehmen. Noch waren keine Larven geschlüpft, aber die Eier waren nun deutlich grösser und viel besser zu sehen. In dem untenstehendem Bild sieht man gut, dass die Eier in dem Einschnitt in zwei Reihen angeordnet sind. Bei genauem Hinsehen lassen sich an kleinen dunklen Punkten schon die Augen der heranwachsenden Larven erkennen.

Legeschlitz am 8. August, Eier deutlich sichtbar

Folge 3

Eine weitere Woche später, zeigte sich mir dann ein ganz anderes Bild. Schon von weitem konnte ich erkennen, dass im oberen Bereich des Dornzenzweiges fast alle Blätter abgefressen waren. Das Bild als solches ist absolut nicht sehenswert, es geht mir nur darum den Zustand der Pflanze zu dokumentieren.

Dornenzweig am 15. August
der obere Bereich ist schon komplett kahl gefressen

Ein Blick aus der Nähe zeigte sofort warum schon so viele Blätter abgefressen waren. Die Larven waren in grosser Zahl geschlüpft und sie taten sich wohl schon ein paar Tage an den jungen Blättern gütlich. Dicht gedrängt sassen sie auf Blättern und Stängeln und frassen Seite an Seite. Typisch für Blattwespenlarven ist die S-förmige Schreckstellung, die sie einnehmen, sobald sie gestört werden. Sie halten sich mit den vorderen Beinpaaren fest, strecken den restlichen Körper in die Höhe und wippen ruckartig.

Larveninvasion, einige in der typische Schreckstellung

Auf dem obigen Bild ist auch ein kleineres Exemplar zu sehen. Dies deutet darauf hin, dass nicht alle Larven am gleichen Tag geschlüpft sind. Nach dem Schlüpfen sind die Larven nur wenige Millimeter gross. Sie häuten sich mehrmals bis sie ihre endgültige Grösse erreichen und sich dann verpuppen. Das nächste Bild zeigt eine Larve die gerade dabei ist sich zu häuten.

Larve beim Häuten

Folge 4

Nach dem dritten Besuch fuhren wir für zwei Wochen ins Berneroberland, daher war ich erst am 29. August wieder vor Ort. Unmittelbar vorher wurden aber die Sträucher an den Wegrändern zurückgeschnitten, damit die Waldwege nicht verwildern. „Meine“ Hagebutte fiel diesem Schnitt auch zum Opfer. Ich kann nicht sagen, ob die Verpuppung noch vor dem Schnitt stattgefunden hat. Wie ich gelesen habe, überwintern zumindest einige Arten verpuppt in einem Kokon aus weisslichem Gespinst, teils auf den Wirtspflanzen, teils am Boden. Wie das bei der Blauschwarzen Bürstenhornblattwespe ist, habe ich nicht abschliessend in Erfahrung bringen können.

Infos zur Art

Die Blauschwarze Bürstenhornblattwespe ist in weiten Teilen von Mitteleuropa beheimatet. Sie erreicht eine Körpergrösse von 7-9mm. Ihren Namen hat sie einerseits von ihrer Färbung und andererseits von der Behaarung der Fühler beim Männchen (leider habe ich dazu keine Aufnahme). Die erwachsenen Insekten ernähren sich von Pollen und Nektar, wogegen die Larven wie in diesem Beitrag zu sehen ist, die Blätter von Rosengewächsen abfressen. Treten die Larven in grosser Zahl auf, können sie an der Wirtspflanze beträchtlichen Schaden anrichten. Bis zu ihrer Verpuppung leben die Larven gesellig auf der Wirtspflanze. Sie sehen den Schmetterlingsraupen sehr ähnlich. Gute Unterscheidungsmerkmale sind einerseits die S-förmige Schreckstellung und andererseits die Zahl der Beine.
Schmetterlingsraupen haben maximal acht Beinpaare, die Blattwespenlarven haben mehr (nicht immer sind die alle deutlich zu sehen). Relativ gut sichtbar ist aber, dass die Schmetterlingsraupen hinter den drei Brustbeinpaaren immer zwei Segmente ohne Beine haben. Bei den Blattwespenlarven ist es immer nur ein Segment ohne Beine.

Blattwespenlarve, hinter den Brustbeinen nur ein Segment ohne Beine

Quellen:
– Hortipendium.de
– Lepiforum.de
– Tierdoku.com
– Wikipedia.org

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