Hoi liebe Clubmitglieder! Wie schon in meinem Beitrag Nur Steine? „angedroht“ beschreibe ich jetzt, wie ich die Bilder erstellt habe. Der Beitrag wird etwas länger, da empfiehlt es sich durchaus, sich einen Kaffee zu machen oder auch zwei. 😊

Stacking intern und extern

Stacking betreibe ich schon länger, da man damit bekanntlich die Tiefenschärfe erweitern kann.

Dazu gekommen bin ich, als meine Olympus E-M1 nach einem Firmwareupgrade auf einmal Stacking und Focusbracketing beherrschte. Ich betreibe aber nur das Bracketing, da das Stacking in der Kamera auf wenige Bilder beschränkt ist, während man im Bracketing bis zu 999 Aufnahmen machen kann. Beim Bracketing muss man die Bilder aber in einem externen Programm miteinander verrechnen, während beim Stacking innerhalb der Kamera ein fertiges Bild rauskommt.

Innerhalb der Kamera läuft die Sache so ab, dass mittels des AF-Motors der Focus geändert wird und der Abstand zum Objekt gleich bleibt. Das ist bei einer Stacking Rail anders. Hier ist der Fokus des Objektivs fix und die Schärfenebenen werden durch Veränderung des Abstands zum Objekt angesteuert, sprich die Kamera incl. Objektiv bewegen sich auf das Objekt zu bzw. entfernen sich.

Diese Abstandsänderung kann manuell oder aber via Schrittmotor, welcher über einen entsprechenden Controller angesteuert wird, erfolgen.

Ich verfüge über beide Varianten. Die manuelle wird genutzt wenn ich in der freien Botanik mit manuellen Objektiven fotografieren will, denn die motorische Variante ist mir zu schwer zum transportieren, zumal noch das Problem der Stromversorgung dazu käme. In diesem Beitrag beziehe ich mich nur auf die motorische Variante.

Zur Stacking Rail bin ich dadurch gekommen, dass ich zwei Lupenobjektive von Olympus erwerben konnte. Schnell stellte sich dann heraus, dass man mit den beiden Objektiven zwar Makro machen kann, aber halt nur sehr umständlich Stacking. Also habe ich mich auf die Suche nach einer Lösung gemacht.

Bei dieser Suche bin ich erst einmal von einer manuellen Lösung ausgegangen, wie sie z.B. von RRS, Traumflieger, MJKZZ, etc. angeboten werden. In dem Bereich gibt es Lösungen für unter CHF 100,- aber auch für über CHF 300,-.

Schnell bin ich bei der Suche auf Cognisys gestossen. Cognisys bietet unter anderem den StackShot an, eine über Schrittmotor gesteuerte Stacking Rail. Cognisys ist meines Wissens nach in der Schweiz nicht erhältlich, sprich man muss direkt in den USA oder bei einem Händler in Holland bestellen.

Bei der weiteren Suche nach einem Händler für Cognisys stellte ich dann fest, dass es noch mehr Anbieter für motorische Stacking Rails gab und noch gibt: MJKZZ, Wemacro, Stonemaster, Novoflex, etc. Allen gemeinsam ist, dass sie erheblich teurer sind als eine manuelle Lösung, dafür aber auch viiieeeel bequemer und angenehmer, kann man doch zwischenzeitlich einen oder mehrere Kaffee trinken. 😊

Letztendlich habe ich mich für den StackMaster von Stonemaster entschieden, da hier neben der Stacking Rail noch jede Menge passendes Zubehör angeboten wird, welches zudem noch modular ist. Der Hersteller ist dabei offen für spezielle Kundenwünsche, wobei viele dieser Wünsche auch in die aktuelle Produktreihe mit eingeflossen sind.

Meine Stacking Station

Im Laufe der Zeit habe ich jetzt eine umfassende Stackingstation zusammengebaut. Das sieht dann so aus:

Frontansicht Stacking Station

Unten links befindet sich der Controller, daneben die Helligkeitssteuerung für die LED-Lampen, darüber der Tisch mit sechs LED-Einheiten (jede Einheit liefert 1.568.857 Lux bei 10 cm Abstand), darüber dann die Kamera, hier eine Fuji X-H1, mit Balgengerät, Zusatztubus und Mikroskopobjektiv. Der StackMaster befindet sich hinter dem Aufnahmetisch und bewegt diesen und nicht die Kamera.

Die Beleuchtung ist hier direkt am Tisch befestigt und folgt somit den gleichen Bewegungen. Wäre die Beleuchtung nicht am Tisch befestigt sondern an der Grundplatte, dann würde sich bei jeder Bewegung des Tisches ständig der Einfallswinkel der Beleuchtung am Objekt ändern, was nicht erwünscht ist. Egal wäre es, wenn auch das Objekt statisch wäre und statt dessen die Kamera bewegt würde.

Auf dem Tisch befindet sich ein Linearschlitten mit dem das Objekt vor-/zurückgeschoben werden kann. Ein ähnlicher Schlitten befindet sich auch am Stativ. Hier ist die Kamera befestigt und kann nach rechts oder links verschoben werden.

Die Kamera selbst kann zusammen mit dem Linearschlitten an der Stativsäule in der Höhe grob verstellt werden, während der Tisch durch den StackMaster (so heisst die Stacking Rail) in Schritten von 0,0001mm gehoben/gesenkt werden kann.

Rückansicht Stacking Station

Sieht recht wild aus. Hier habe ich einen grossen Kabelkanal auf die Stativsäule montiert und in diesem Netzteile und eine Netzleiste untergebracht, denn der ganz Kabelsalat, der bei so einer Station anfällt, hat mir gar nicht gefallen. 😤 In meinem Arbeitszimmer sieht es eh oft genug aus wie im Handgranatenwurfstand. 🤨

Seitenansicht Stacking Station

Links unten erkennt man an der Stativsäule den StackMaster. Unter dem Tisch hängt noch ein Verteilerkasten für die LED Leuchten.

Ich habe zusätzlich zur Höhenverstellung am Stativ noch ein Balgengerät im Einsatz. Für mich hat das den Vorteil, dass man den Auszug und somit den Abbildungsmassstab in einem gewissen Bereich variabel halten kann. Standard ist eigentlich die Montage der Kamera am Schlitten ohne Balgengerät.

Bei dem oben sichtbaren Mitutoyo Objektiv ist das allerdings nicht so relevant, da es sich hier um ein sogenanntes „Unendlich Objektiv“ für Mikroskope handelt und die Auszugslänge bzw. Tubuslänge vom Objektiv zum Sensor fix 210 mm beträgt. Erst dann erreicht man den exakten ABM. Die Mitutoyo sollen aber in einem gewissen Bereich recht tolerant gegenüber abweichenden Tubuslängen sein.

„Unendlich Objektive“ werden so genannt, weil die Strahlen quasi parallel bis in’s Unendliche verlaufen, was bei Mikroskopen viele Vorteile bietet. So kann aber kein Bild entstehen. Mittels einer passenden Tubuslinse werden die parallel verlaufenden Strahlen dann zu einem reellen Zwischenbild vereinigt, welches vom Sensor erfasst werden kann. Früher waren die Mikroskope alle mit „Endlich Objektiven“ ausgestattet, die von sich aus ein reelles Zwischenbild erzeugen.

Wie viele andere „Hochstapler“ nutze ich als Tubuslinse eine Raynox DCR-150 mit 208 mm Brennweite. Eigentlich ist das eine Vorsatzlinse für Makro, aber liefert als Tubuslinse für wenig Geld eine Topleistung, die zum Teil die erheblich teureren Tubuslinsen der Objektivhersteller in den Schatten stellt.

Sicht von oben auf den StackMaster und den Tisch

Der StackMaster zeichnet sich übrigens, im Gegensatz zu anderen Anbietern, durch ein Untersetzungsgetriebe (10-fach) aus, welches eine kleinste Schrittweite von 0,0001mm erlaubt. In dem Bereich wird die Luft für ein hochaufgelöstes Foto sehr dünn, da schon allerkleinste Vibrationen die Bildqualität und die Auflösung verschlechtern.

Links unten der Controller R1 und rechts der 8 Kanal Dimmer für die Beleuchtung

Der Controller wird via WLAN über einen normalen Browser gesteuert. Dabei kann der Controller selbst ein WLAN aufbauen und somit von Handies, Tabletts, Notebooks und WLAN-fähigen Computern angeprochen werden, die sich mit dem Controller verbinden müssen. Damit kann der Controller auch in der freien Wildnis genutzt werden. Der Controller kann aber genausogut als „normales“ WLAN-Gerät von einem WLAN Router aus gesteuert werden, meine bevorzugte Anbindung.

Mit dem 8 Kanal Dimmer wird die Helligkeit von bis zu acht LED-Leuchten getrennt gesteuert. Über einen Masterregler wird die Gesamthelligkeit aller Leuchten gesteuert.

Micromount auf Magnetkugeltisch

So in etwa sieht es dann aus, wenn es endlich losgehen kann. Das Objekt wird auf einem Magnetkugeltisch eingeklemmt. Über die Kugel kann man dann die Sicht auf das Objekt variieren. Der Magentkugeltisch sitzt auf Grund eines extrem starken Magneten bombenfest auf dem Aufnahmetisch.

Die LED-Leuchten können individuell in Höhe, Abstand und Anordnung eingestellt werden. Hier habe ich eine vertikale Anordnung gewählt.

Zur Abmilderung von Vibrationen habe ich die Säule meines Stativs mit grobem Aquariumsand gefüllt und die gesamte Station steht zusätzlich auf Sorbothan Dämpfern. Glücklicherweise habe ich an meinem Wohnort nicht unter Schwerlastverkehr zu leiden, aber wehret den Anfängen.

Was braucht man noch?

Natürlich eine Kamera und Objektive. Macht Sinn oder nicht? 😊

Im Prinzip ist jede Digitalkamera geeignet, die man auch rein manuell betreiben kann. Da wir uns hier in erster Linie aber im Makro- oder Mikrobereich bewegen ist eine Kamera mit Wechselobjektiven ein Muss.

Wenn die Kamera nicht über internes Stacking oder Focusbracketing verfügt, kann man mit einem Makroobjektiv, gegebenenfalls erweitert um Zwischenringe/Vorsatzlinse/Balgengerät, an einer Stackingrail trotzdem stacken.

Will man grössere Abbildungsmassstäbe erreichen, dann braucht es entsprechende Objektive. Ab einem ABM grösser 10 zu 1 sollte man dann mit Mikroskopobjektiven liebäugeln.

Ich habe diverse Lupenobjektive von Zeiss, Olympus, Leitz und Minolta im Einsatz. Diese Lupenobjektive wurden früher an 35mm Kameras betrieben und werden heute nicht mehr hergestellt. Mit geduldigem Suchen kann man aber immer wieder mal eins gebraucht bekommen. Bei diesen Objektiven muss man halt immer im Hinterkopf behalten, dass sie alt sind und somit über eine alte optische Rechnung verfügen. Sie sind daher nicht so kontrastreich (was beim Stacking nicht unbedingt ein Nachteil ist) und so scharf wie moderne Objektive. Dennoch kann man mit ihnen hervorragende Ergebnisse erzielen.

Viele Stacker setzen Mikroskopobjektive ein. Diese sind in der Regel auf Kontrast getrimmt. Von diesen Objektiven kann man aber nicht alle einsetzen, denn Mikroskopobjektive haben in der Regel einen sehr kleinen Arbeitsabstand und stossen dabei schon fast am Objekt an. Das Objekt dann noch sauber zu beleuchten ist nicht mehr möglich. Hier muss man spezielle Objektive nehmen, die für einen langen Arbeitsabstand gerechnet sind. Ich habe z.B. Nikon M Plan und BD Plan mit langem Arbeitsabstand im Einsatz. Der Abstand ist aber auch hier nicht überwältigend, so dass eine Ausleuchtung noch schwierig sein kann.

Nicht zu vergessen die guten alten Vergrösserungsobjektive aus der analogen Zeit, von denen die wirklich guten Mehrlinser wie z.B. das Rodenstock APO Rodagon N sehr gute Ergebnisse erzeugen, die aber auch gebraucht noch recht hoch gehandelt werden.

Nachdem ich da schon viel Geld verlocht habe, habe ich mich dann letztendlich dazu durchgerungen mir Mikroskopobjektive Mitutoyo M Plan APO zu kaufen, die in Stacker Kreisen einen sehr guten Ruf haben, denn sie haben eine hohe Auflösung, sind sehr scharf und weisen sehr kleine bis gar keine chromatischen Aberrationen auf. Darüber hinaus haben sie einen recht grossen Arbeitsabstand.

Sehr gut sind dabei allerdings auch die Preise, von der Beschaffung mal ganz abgesehen. 😢 Ich habe meine vier Objektive letztendlich aus Südkorea bekommen, nachdem ich in Europa nichts zu annehmbaren Preisen gefunden habe.

Weiter ist ein entsprechender Diffusor sinnvoll. Das kann durchaus eine sauberer Joghurtbecher sein. Mattiertes Plexyglas geht genauso, wie weisses Polystyrol, welches es im Modellbauhandel in Plattenform gibt. Bei mir kommen oft mattierte Plexiglasröhren von 10 cm Durchmesser zum Einsatz. Das Objekt wird dann innerhalb einer solchen Röhre platziert.

Dann noch etwas Kleinkram wie Pinzetten (abhängig von der Grösse des Objekts), Pinsel und Blasebalg aus dem Fotobereich zum Entstauben (evtl. auch ein Ultraschallreiniger), sowie für mich ganz wichtig: Eine Kaffeemaschine. 😊 ☕️ ☕️ ☕️ ☕️ ☕️ ☕️ ☕️ ☕️ ….

Vorbereitung für den Stack und Durchführung

Ich beschreibe jetzt einmal beispielhaft meine Vorgehensweise für den Stack eines Micromounts.

Dazu montiere ich einen Micromount auf dem Magnetkugeltisch. Der Magnetkugeltisch kommt dann unter ein Wild M5 Stereomikroskop. Das M5 ist zwar schon sehr alt und die merkwürdige gelbe Farbe war seinerzeit „modern“; also ehrlich, schön sieht anders aus. 😊 Bei heutigen Mikroskopen kommen die in weiss und werden halt später gelb weil sich der Kunststoff verfärbt., was dann noch schlimmer aussieht, da nicht einheitlich. Das M5 ist noch nahezu komplett aus Metall, lediglich die Knöpfe für den Fokus sind aus Kunststoff. Da kann sich nichts mehr verfärben.

Wild M5 mit Micromount
Micromount

Jetzt wird das Objekt der Begierde erst einmal bei schwacher Vergrösserung untersucht. Zwei Schwanenhalslichtleiter, die von einer 30 Watt LED Kaltlichtquelle zentral versorgt werden, sorgen für Licht.

Ich betrachte dann das Objekt von allen zugänglichen Seiten. Erspähe ich etwas Interessantes, dann gehe ich stufenweise auf eine andere Vergrösserung. Gefällt mir, was ich sehe, dann wird das Objekt auf Staub, Fusseln, etc. untersucht und versucht den Dreck mit Luftdruck und/oder Pinsel zu entfernen. Was man jetzt entfernt, muss man später nicht mühsam in der Bildbearbeitung entfernen.

Ist soweit alles erledigt kommt erst einmal wieder ein Deckel auf die Dose (Micromounts werden in der Regel in kleinen Kunststoffdosen mit flachem Boden und hohem Deckel aufbewahrt) damit das Objekt nicht wieder verstaubt. Danach kommt das ganze Konstrukt auf den Tisch der Stackingstation und wird grob ausgerichtet.

Die Kamera wird nun klar gemacht, sprich das Auslösekabel des Controller mit der Kamera verbunden, sofern nicht schon geschehen, die Kamera eingeschaltet und auf elektronischen Verschluss geschaltet, damit sich Erschütterungen vom mechanischen Verschluss nicht bemerkbar machen, da dieser jetzt deaktiviert ist. Der AF ist abgeschaltet.

Vielfach wird empfohlen auch die Belichtung manuell zu steuern. Ich überlasse das der Zeitautomatik und bin damit bislang gut gefahren. ISO hingegen wird fest eingestellt.

Dann stelle ich die LED-Leuchten grob ein und nehme den Deckel wieder von der Dose.

Je nach eingesetztem Objektiv und gewünschtem Abbildungsmassstab ändere ich den Auszug über das Balgengerät bzw. durch Einsatz entsprechender Tubusrohre. Jetzt stelle ich die Schärfe grob ein, indem ich die Kamera am Stativ manuell rauf- oder runterfahre.

Ich stelle die Schärfe in der Regel so ein, dass ich die für mich wichtigsten Teile gut erkennen kann, denn jetzt werden die LEDs nach meinem Gusto ausgerichtet und die Helligkeit eingestellt.

Vielfach wird eine möglichst schattenfreihe Ausleuchtung angestrebt. Ich selbst finde eher, dass die Bilder dann langweilig aussehen und bevorzuge lieber etwas Schattenbildung und Spitzlichter. Ist aber wie so vieles reine Geschmackssache.

Wenn dann für mich soweit alles passt geht es an den Computer. Hier stelle ich jetzt in der Steuersoftware des Controllers die Schrittweite, Start-/Endpunkt und Anzahl Aufnahmen pro Schritt ein.

Software für den R1 Controller

Das sieht im ersten Moment etwas verwirrend aus, aber man gewöhnt sich schnell daran und muss auch nicht alle Knöpfchen drücken. 😊

Links oben wähle ich aus, wie schnell der Tisch gehoben/gesenkt werden soll, wenn ich diesen manuell mit den darunter liegenden Pfeil-Buttons verfahre. Ich fahre den Tisch in der Regel erst einmal schnell nach unten bis zu dem Punkt wo ich das Objekt noch scharf haben will und optimiere dann mit der Einstellung Langsam. Danach klicke ich auf Startpunkt setzen. Nun geht es in gleicher Weise nach oben für den Endpunkt.

Jetzt kommt eine wichtige Einstellung, die Schrittlänge. Diese ist von verschiedenen Faktoren abhängig:

  • Vergrösserungsfaktor
  • NA = Numerische Apertur = Blende
  • der Überlappung der einzelnen Schritte
  • der Rohr- bzw. Tubuslänge
  • Sensorgrösse

Freundlicherweise haben Hersteller und Programmierer dafür gleich einen Schrittlängen-Rechner im Programm integriert, wo man die entsprechenden Daten eingibt und daraus dann eine entsprechende Schrittlänge erhält. Ein Klick auf Anwenden und die Daten werden automatisch übernommen.

Beispiel für die Errechnung der Schrittlänge ausgehend vom Objektiv

Falls jetzt jemand meckern möchte, die beiden vorstehenden Screenshots gehören zu unterschiedlichen Objektiven. Ich war halt nur zu faul neue zu erstellen. 😇

Jetzt wird die Anzahl der Auslösungen pro Schritt eingegeben. Ich mache in der Regel drei Fotos pro Schritt. Leichte Unterschiede in den einzelnen Aufnahmen, bedingt durch Vibrationen und Rauschen, werden bei der späteren Weiterverarbeitung von der Stackingsoftware bis zu einem gewissen Grad egalisiert.

Die nächste Einstellung ist die Ausschwingzeit. Hier trägt man ein nach wieviel Millisekunden die Kamera ausgelöst werden soll, wenn die Staccking Rail nach Bewegung wieder angehalten hat. So können die durch die Bewegung erzeugten Vibrationen abklingen.

Beim Auslöseintervall stellt man ein wann die nächste Auslösung erfolgen soll, wenn man pro Schritt mehr als eine Aufnahme macht. Bei einem elektronischen Verschluss ist das irrelevant, wenn aber der mechanische Verschluss verwendet wird, dann macht es Sinn, da der mechanische Verschluss Erschütterungen in der Kamera erzeugt, die dann Zeit zum Abklingen haben.

In dem Zusammenhang noch der Hinweis, dass in den Grundeinstellungen der Software für die Kamera gewisse Grunddaten gespeichert werden, so z.B. ob bei einer DSLR mit Spiegelvorauslösung gearbeitet werden soll und/oder die Pause vom Hochklappen des Spiegels bis zur eigentlichen Verschlussauslösung, damit die durch den Spiegel hervorgerufenen Erschütterungen abklingen können.

Jetzt bleibt nur noch der Klick auf Start. Der „Schlitten“ fährt jetzt in die Startposition, arbeitet das gesamte Programm ab bis zur Endposition und fährt dann in die Startposition zurück. Wenn man will, kann man jetzt z.B. die Beleuchtung anders einstellen und dann das Programm erneut starten, ohne vorher noch einmal Start-/Endposition ermitteln zu müssen.

Weiterverarbeitung

Nun haben wir viele, viele Bilder im Kasten. Die kommen erst einmal auf die Festplatte. Ich fotografiere ausschliesslich in RAW und darf jetzt erst einmal alle Bilder konvertieren. Die Konvertierung erledigt bei mir aktuell Capture One Pro 20.

Die danach kommende Stackingsoftware hat die Angewohnheit die Bilder aufzuhellen und Lichter dadurch zu „verstärken“. Dem kann man schon bei der eigentlichen Aufnahme entgegenwirken und dunkler belichten. Ich ziehe auf jeden Fall im Konverter noch den Lichterregler runter. Mitunter regle ich auch noch den Kontrast runter, was von den Aufnahmen abhängt.

Für Schärfung und Entrauschung stelle ich im Konverter spezielle Werte ein, da später bei der Nachbearbeitung ein spezielles Skript läuft, dass digitale Unschärfen, hervorgerufen durch Antialiasing Filter und das Bayer Pattern vor dem Sensor, wieder aufhebt. Solche Skripte gibt es für diverse Kameras bei Fineart Printer. Sie funktionieren allerdings nur in Verbindung mit einer Deutschen Photoshop Version.

Diese Einstellungen nehme ich an einem einzigen Bild vor und übertrage sie im Anschluss auf alle anderen Bilder der Serie, damit sie einheitliche Werte haben.

Wenn ein Objektiv mit sichtbaren chromatischen Aberrationen genutzt wurde (bei den alten Gläsern serh oft der Fall), markiere ich in Capture One alle Bilder der Serie und lasse für jedes Bild eine CA-Analyse laufen, was schon mal für ein paar Tassen Kaffee reicht. 😊

Danach werden die Bilder alle als TIF, 16 Bit, unkomprimiert, Farbraum ProPhoto exportiert. Bislang exportiere ich immer in voller Auflösung, was dann natürlich dauert und jede Menge Platz auf der Platte belegt. Ich hatte schon mal daran gedacht die Bilder nur in der Grösse zu exportieren wie ich sie später benötige, was Zeit und Platz spart. Letztendlich bleibe ich aber bei meiner Vorgehensweise, denn sobald ich mein berechnetes „Rohbild“ habe und damit zufrieden bin, werden die erzeugten TIFs wieder gelöscht. Ich habe dann aber auf jeden Fall volle Auflösung und kann damit beliebige Ausgaben erzeugen.

Alle TIFs werden jetzt an die Stackingsoftware Helicon Focus übergeben und dort zu einem Gesamtbild verrechnet. Hier ist es empfehlenswert mit verschiedenen Rendermethoden (Helicon hat drei) und verschiedenen Werten zu spielen und später das optimale Ausgabebild zu übernehmen.

Die Methode C in Helicon (wird empfohlen, wenn der Stack mehr als 100 Bilder hat) erzeugt die geringsten Haloeffekte erhöht aber das Rauschen und nimmt weniger Rücksicht auf Kontraste und Farbwiedergabe. Das geringste Rauschen hat Methode A, ist aber wie Methode B nicht für grosse Stacks so geeignet. Hier treten auch verstärkt Haloeffekte auf. Die Haloeffekte kann man bei den Methoden A und B durch Modifikation der Werte für Radius und Glättung zu Lasten der Details mindern.

In nachfolgendem Bild erkennt man den Haloeffekt, der verschwommene Streifen an der oberen Kante des Pilzes.

Halo Effekt

Helicon Focus hat einen integrierten Editor mit dem man die Halo Effekt bereinigen kann, was aber stets eine mühsame Angelegenheit und sehr zeitaufwendig ist. OK, das gesamte Stacking ist zeitaufwendig. 🙁

Ich erzeuge häufig eine Ausgabe je Rendermethode. Diese werden dann wieder an Helicon übergeben und erneut verrechnet, wodurch sich die vorgenannten Nachteile zum Teil egalisieren. Dabei spiele ich verschiedene Kombinationen durch und nehme dann das Ergebnis, was mir am meisten zusagt.

Neben Helicon Focus gibt es noch Zerene Stacker. Beide nehmen sich in der Bildqualität nichts. Beide sind kostenpflichtig, aber bei beiden gibt es eine Version wo man nur einmal zahlt und dann bis zum Ende des Universums alle Updates kostenlos bekommt.

Ich habe beide installiert, nutze aktuell aber nur Helicon Focus. Zerene Stacker erzeugt nach meinen Versuchen nicht ganz so harte Kontraste und Spitzlichter, ist dafür aber grottenlangsam und treibt die CPU in den Wahnsinn. Die CPU (Intel i9) wird bei mir 90 Grad heiss wenn Zerene loslegt. Bei Helicon bleibt alles schön unter 70 Grad, weil Helicon neben der CPU auch die GPU der Grafikkarte nutzt.

Daher nutze ich lieber Helicon, zumal die Unterschiede in der Bildqualität wirklich extrem gering sind. Eventuell zu vorwitzige Spitzlichter mildere ich dann lieber via Luminanzmasken in Photoshop ab.

Bei Helicon Focus habe ich zudem nur selten mal am Rand Barcode-ähnliche Artefakte, was bei Zerene Stacker bei gleichem Eingangsmaterial häufiger der Fall ist. Ich gehe aber davon aus, dass die Jungs und Mädels bei Zerene auch nicht schlafen und sie ihr Produkt noch ordentlich tunen.

Hier noch ein Beispiel für den „Barcode“, deutlich an der unteren Bildkante erkennbar:

Barcode Effekt

Zerene Stacker hat gleichfalls einen integrierten Editor, mit dem man Bildfehler korrigieren kann. Bei Zerene gibt es aktuell nur zwei Rendermethoden PMap und DMap. PMap ist dabei vergleichbar mit der Methode C und DMap mit der Methode B in Helicon Focus.

Darüber hinaus bietet Zerene Stacker die Möglichkeit den Stack in kleine Bereiche zu unterteilen, die sich am Ende eines Bereichs mit dem Anfang des nächsten Bereichs überschneiden. Die Funktion wird von vielen Stackern bei Stacks mit mehreren 100 Bildern genutzt. Bei einer Retusche ist man dadurch im Vorteil, dass man die zu kopierenden Daten nicht in allen Bildern suchen muss, sondern nur in dem kleineren Block. Helicon Fokus kann das so nicht, hier muss man die Bereiche manuell aufteilen.

Stacken kann man auch mit Photoshop und Affinity Photo. Für Windows Systeme kann man noch die kostenlosen Programme Combine ZP und Picolay bekommen, aber halt nicht für den Mac. über Picolay habe ich bislang viel Gutes gelesen, mangels Windows aber selbst noch nie im Einsatz gehabt.

Bildbearbeitung

Wenn ich nun endlich ein fertiges Rohbild habe, kommt die Endbearbeitung in Photoshop.

Das Bild wird bei mir als erstes, sofern erforderlich, entrauscht. Ich nutze hierzu Topaz DeNoise AI, welches nach meinen bisherigen Erfahrungen sehr gut entrauscht, dabei aber die Details erhält.

Dann nehme ich Korrekturen in Bezug auf Belichtung, Farben, Tonwerte und Kontraste vor.

Im Anschluss lasse ich das weiter oben schon angesprochene Script für die Korrektur der digitalen Unschärfe laufen.

Jetzt noch etwas kreatives Schärfen, wozu ich seit geraumer Zeit gerne den Fixel Detailizer nutze. Hiermit kann man die Schärfung in fünf Bereichen, von ganz feinen bis zu groben Strukturen, getrennt einstellen.

Damit wäre das Bild erst einmal fertig. Vom weiteren Verwendungszweck hängt jetzt die Grössenänderung ab. Will ich das Bild drucken, belasse ich die Grösse. Soll das Bild aber auf eine Webseite, dann wird es runtergerechnet. Eine Ausgabeschärfung für den Bildschirm unterlasse ich in dem Fall in aller Regel. Anders natürlich, wenn ich drucken will.

Soll das Bild auf eine Webseite, dann wird es noch in den sRGB-Farbraum bei 8-Bit pro Farbkanal konvertiert. Wenn ich dann noch Lust habe, kommt ein Rahmen drum rum, ein Schlagschatten oder sonst ein Schickimicki. Jetzt noch als JPEG mit Qualitätsstufe 8 speichern und fertig ist die Maus.

Für den Druck bleibt alles im Farbraum ProPhoto bei 16 Bit pro Farbkanal.

Etwas zum Thema numerische Apertur und Blende

Noch ein Wort zu Blende und numerischer Apertur. Bei einem Objektiv bestimmt die numerische Apertur die minimale Größe des Lichtflecks, der im Fokus des Objektivs erzeugt werden kann. Je grösser die numerische Apertur ist desto feiner kann das Objektiv auflösen. Die Angabe NA wird in der Regel nicht bei Fotoobjektiven verwendet sondern nur bei Mikroskopobjektiven.

Man kann aus der NA die Blende des Objektivs errechnen. Eine NA von 0.28 ist in etwas vergleichbar mit Blende 1.8 bei einem Fotoobjektiv. Bezieht man jetzt noch den Abbildungsmassstab mit ein, in obigem Screenshot 10:1, dann ergibt sich bei einem APS-C Sensor eine effektive Blende von 18.

Nimmt man nun statt dem Mikroskopobjektiv z.B. ein Olympus 20 mm Lupenobjektiv mit maximaler Blende von 3.5, dann ergibt sich bei gleichem Abbildungsmassstab eine effektive Blende von ca. 39. Das bedeutet, dass wir es jetzt mit einer extremen Beugung zu tun bekommen, sprich das Bild durch die Beugung an Schärfe verliert.

Beugung tritt bei jedem Objektiv auf und je kleiner die Blendenöffnung wird, desto grösser wird die Beugung. Ab einem gewissen Blendenwert wird die Beugung dann deutlich sichtbar. Bei APS-C sollte man Blenden kleiner als 11 daher vermeiden. Schon mit dem Mikroskopobjektiv überschreiten wir also den Wert, mit dem Olympus 20 mm wird es dann aber schon extrem.

Eine Anmerkung zur Kamera.

Diese sollte über einen elektronischen Verschluss verfügen, da hier keine mechanischen Teile bewegt werden. In der Schweiz gibt es einen Stacker namens Kurt Wirz, bei dem schon mal 1000 Auslösungen für einen Stack zusammen kommen. Ich habe es bislang nur auf knapp 500 gebracht. Da ist es nur eine Frage der Zeit bis der mechanische Verschluss und Spiegelmechanik den Geist aufgeben.

Der elektronische Verschluss hat aber leider (noch) einen gravierenden Nachteil: er funktioniert bei allen mir bekannten Kameras nicht in Verbindung mit Blitzgeräten. Angeblich soll das die neue Sony A1 beherrschen.

Warum ist das ein Nachteil? Blitzgeräte können mit ihrer extrem kurzen Leuchtdauer jede Bewegung/Vibration des Objekts „unterdrücken“, was besonders dann zur Geltung kommt, je höher der Abbildungsmassstab ist.

Selbst mit meinen sechs LED-Leuchten komme ich in den meisten Fällen nicht auf kürzere Zeiten als 1/60stel. Blitz wäre da schon schön, aber wie geschrieben geht das aktuell nur mit dem verschleissanfälligen mechanischen Verschluss.

Die Kamera sollte darüber hinaus in der Lage sein, auch mit Non-AF Objektiven auszulösen.

Endlich Schluss

Nun bin ich am Ende meiner Ausführungen angelangt. Falls jemand noch Lust auf Micromounts hat, der Frau / dem Mann kann geholfen werden: Hier klicken

Falls noch jemand Fragen hat, Ihr wisst wie ich erreichbar bin.

Eine Vorführung bei mir ist natürlich auch möglich. Es gibt auch Kaffee. 🤣

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