Makrowelt im Garten

Bevor ich auf die Makrosujets im Garten näher eingehe möchte ich ein paar Worte über meine Ausrüstung verlieren.

Meine fotografische Entwicklung/Karriere besteht zu einem guten Teil aus der Makrofotografie. Daher hat das Makroobjektiv schon seit jeher zu meiner Ausrüstung gehört und es ist auch das Objektiv das ich am meisten verwende. Als Ergänzung dazu habe ich einerseits ein Makroblitz-Set (zwei kleine Blitze die über einen Haltering vorne am Objektiv befestigt werden) und andererseits eine Makro-Vorsatzlinse.
Die Vorsatzlinse (Raynox DCR-250) konnte ich mit einem Universaladapter ins Filtergewinde der Kamera einclipsen. Damit war aber das Filtergewinde „blockiert“, so konnte ich immer nur entweder den Blitz oder die Vorsatzlinse nutzen. Über eine lange Zeit habe ich die beiden „Geräte“ in der Art sporadisch eingesetzt.

Da die Vorsatzlinse beidseitig Gewinde hat, kann sie über passende Adapter direkt auf das Objektiv geschraubt werden. Dort kann dann, über einen weiteren Adapter der Haltering für die Makroblitze befestigt werden.
Drei neue Adapterringe erlauben mir nun seit ein-zwei Wochen den Blitz direkt auf die Vorsatzlinse zu montieren.
Damit habe ich einen recht guten Abbildungsmassstab und zusammen mit dem Blitz auch kurze Verschlusszeiten, die ein Fotografieren aus der Hand ermöglichen.

Nun also zurück zum Garten.
Ein schöner Sonntagnachmittag, gemütlich liege ich im Liegestuhl im Schatten der Trauerweide und lasse meinen Blick langsam über die Blätter der Ligustersträuche wandern. Plötzlich bewegt sich da etwas auf einem Blatt (eine Mücke, ein Käfer, eine Zikade?). So ohne Sehhilfe ist das recht schwer zu sagen. Ein Blick durch’s Makroobjektiv würde da Abhilfe schaffen. Also gehe ich mit schnellen Schritten ins Haus, hole Kamera, Vorsatzlinse und Blitz aus dem Schrank und baue sie zusammen. Rasch zurück zu den Ligustersträuchern und voilà das erste Bild:

Zuckmücke (nicht näher bestimmt)

Und wenn ich das ganze Equipment schon mit auf dem Liegestuhl habe, lohnt es sich die Umgebung auch weiterhin wachsam zu beobachten. Schon kurze Zeit später gesellt sich ein weiterer kleiner Zeitgenosse zu mir. Da ich mit der Vorsatzlinse sehr nah an meine Models herangehen muss, sind langsame Bewegungen von Vorteil. Klar, dass das nicht allen geheuer ist, wenn da plötzlich so ein „Monstrum“ nur wenige Zentimeter vor ihnen auftaucht. Aber es gibt durchaus solche, die ein schönes Bild zu schätzen wissen, wie diese Mücke.

Trauermücke ( nicht näher bestimmt)

Das ist so eine Sache in der Natur, man ist da nie wirklich alleine. Irgendwo sind da immer ein paar Tierchen, die einem Gesellschaft leisten. Nicht alle sind wie meine Models von diesem Tag. Es gibt auch echte Quälgeister, die einem das Leben ganz schön schwer machen können. Aber an diesem Sonntag habe ich wirklich nur nette Begleiter im Grün der Ligustersträucher. Mein nächster Besucher oder meine nächste Besucherin (bei fehlender Artenkenntnis ist es recht schwer hier politisch und ethisch korrekt zu sein) ist ein kleiner weisser Punkt auf einem Blatt. Erst auf den zweiten Blick erkenne ich, dass sich der kleine Punkt bewegt.
Hier macht mir die starke Vergrösserung einige Mühe, um ein gutes Bild hinzukriegen. Da muss ja auch der Blickwinkel stimmen, damit das ganze „Model“ auf dem Bild scharf abgebildet wird.

Platanen-Netzwanze

Für die Bestimmung dieses kleinen Kerlchens habe ich mich schon ein wenig in die Tiefen des WWW’s begeben müssen. Aber es ist schon erstaunlich was die heutigen Suchmaschinen so alles zu Tage fördern.
Kurz darauf wechselt die Farbe von weiss auf gelb. Ein kleines gelbes Insekt sitzt recht still auf einem Blatt in meiner Nähe und lässt sich zu einem Bild überreden.

Staublaus (nicht näher bestimmt)

Wenn ich die Kamera schon in der Hand habe, mache ich dann oft einen kleinen Rundgang durch den Garten. Häufig trifft man ja auch auf alte Bekannte. In diesem Fall ist es die Tönnchenwegwespe, sie habe ich schon öfter gesehen, jetzt ist sie gerade damit beschäftigt ein Futterdepot für ihren Nachwuchs anzulegen. Was in diesem Moment noch recht friedlich und harmonisch tönt, kommt optisch dann doch etwas anders daher. Der Nachwuchs der Tönnchenwegwespe ernährt sich nach dem Schlüpfen von einer gelähmten Spinne, die ihnen von der Mama ins Nest gelegt wird. Da ich kein ausgesprochener Spinnenfreund bin, kann ich mit der Situation recht gut umgehen. Nicht dass ich direkt etwas gegen Spinnen hätte, ich töte die auch nicht. Aber so eine ganz kleine Phobie kann ich beim besten Willen nicht leugnen. Was ich den Spinnenfreunden als Aufmunterung mitgeben kann. Wir haben bei uns ums Haus eine recht gesunde Spinnenpopulation. Das ganze Jahr über erschrecken sie uns mit ihren Besuchen im Haus und die werden garantiert nicht weniger.
An diesem schönen Sonntag ist da also ein Kampf ausgefochten worden (den ich leider nicht gesehen habe), der zu Ungunsten der Spinne ausging. Das schöne an diesem Ausgang ist, dass ich der Wespe beim Transport des „Futters“ zuzuschauen kann. Diese hier klettert eine Wand hoch, hangelte sich überhängend an einem Spinnennetz entlang, um dann zu Versuchen die Spinne über die Netzkante nach oben zu hieven. Das Bild zeigt die beiden direkt unterhalb der Netzkante. Diese Kraft und die Akrobatik sind einfach phänomenal…

Tönnchenwegwespe mit Wolfsspinne

Für die beiden habe ich die Vorsatzlinse entfernt. Sie sind einerseits zu gross und andererseits lässt die Wespe nicht so viel Nähe zu.